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Unterkunft

Meine Unterkunft in Arles wurde mir von der Auslandsbeauftragten aus Arles vermittelt. Es gab einen Studenten, der in Dortmud ein Auslandssemester innerhalb des selben Zeitraumes machen wollte wie ich. Daraufhin haben wir einfach unsere Zimmer getauscht. Das Zimmer war sehr zentral gelegen, das heißt: Ein Fussweg von 2 Minuten zur Schule. Die Miete war ähnlich hoch wie in Dortmund, da man in Frankreich die Möglichkeit hat CAF zu beantragen, ein Wohnkostenzuschuss. Sehr gut war auch, dass ich in einer WG mit zwei französischen Studenten, die ebenfalls an der ENSP studieren untergebracht waren. So konnte ich jederzeit Fragen stellen und wurde relativ schnell integriert.

Studium an der Gasthochschule

Zu Anfang des Aufenthaltes, wurden die Erasmus- und Residenz-Studenten gemeinsam mit dem ersten Semester durch die Schule geführt. Wir bekamen einen Einblick in alle Räumlichkeiten, Abläufe und einen Überblick über die Kurse sowie das kulturelle Angebot in der Stadt Arles. In der zweiten Woche bekam jeder der Erasmus- oder Residenz-Student einen persönlichen Gesprächstermin mit dem für die Auslandsstudenten zuständigen Professor Christian Gattinoni. Hier wurden die bisher gemachten Arbeiten gezeigt und über die Studienerfahrung kurz gesprochen. Ausserdem konnte man sein Projekt, das man im Ausland realisieren wollte, vorstellen. Danach gab es ein generelles Treffen mit demselben Professor um anhand des Kursplans informiert zu werden, welche von den Kursen für die Erasmus Studenten offfen stehen. Die meisten Studenten, so auch ich, wählten dann die gesamten fünf theoretischen Medien - oder kunstwissenschaftlichen Vorlesungen, die auf französisch gehalten wurden. Zu unserer Freude wurde extra für die Erasmus/Residenz Studenten ein Videokurs angeboten. Sonst konnten man alle technischen Angebote belegen. Häufig gab es extra Angebote, wie zum Beispiel Workshops, die offiziell jedoch nicht für die Erasmus Studenten zugängig sind und die man nur belegen kann, wenn zufällig ein Platz frei ist. Die Besprechung der praktischen Arbeit fand über individuelle Treffen mit den Professoren der Schule statt. Im Verhältnis zu den nur 75 Studeten in drei Jahrgängen ist die Professorenzahl von sechs Professoren relativ hoch und ermöglicht eine sehr gute intensive persönliche Betreuung. Ich hatte das Gefühl, dass die Professoren in Arles sehr interessiert an den studentischen Arbeiten sind und ein interesse daran haben, dass der Student seine persönliche Arbeitsweise findet. Mit Christian Gattinoni hatten wir insgesammt nur zwei Seminare in denen man die Arbeiten besprechen konnte. Dieses Seminar lief auch oft auf Englisch ab – der Dozent hatte Verständinis für sprachliche Schwierigkeiten und zeigte Geduld. Allgemein war die Arbeitsathmosphäre durch die geringe Studentenanzahl sehr angenehm. Da die Schule unter der Woche jeden Tag bis 23 Uhr geöffnet hat, ist es so üblich bis spät Abends noch in der Schule zu sein und zu arbeiten. Auch das Verhältnis zwischen den technischen Mitarbeitern, den Professoren, den Verwaltungskräften und den Studenten war sehr familiär und nah. Die Integration für die ausländischen Studenten war nicht immer leicht, trotz der kleinen Schule, da man auch wenig Kurse mit den einheimischen Studenten belegen durfte, wie beispielsweise die regelmässig stattfindenden Workshops. Am Ende meinses Aufenthaltes lernte ich einen belgischen Austauschstudenten kennen, dessen Muttersprache Französisch ist, der jedoch sehr ähnliche Probleme hatte sich zu intergieren und aufgenommen zu werden. Die Lehrphilosphie in Arles setzt auf die persönliche Entwicklung jedes einzelnen Studenten und die Professoren möchten, dass jeder sein Oevre dort entwickelt. Die Professoren sind teilweise offen für neue Konzepte und Ideen oder Formen setzen jedoch auch stark auf traditionelle Arbeitsweisen und Präsentationsformen. Durch die stark abgeschiedene Lage des Städtchens Arles ist es schwierig Ausstellungen zu besichtigen oder andere Dinge zu sehen um so den Kopf frei für seine eigene Arbeit zu bekommen. Leider gibt es wenige Studenten in Arles die das sichere Terrain der traditionellen Bildformen und Themen verlassen und gewagt oder „experimenteller“ arbeiten. Dennoch finde ich es interessant eine andere Schule kennengelernt zu haben, ein anderes Lehrkonzept sowie eine andere Arbeits – und Herangehensweise kennengelernt zu haben. Gerade diese Erfahrung lässt es zu die eigene Arbeitsweise zu hinterfragen und eine klarere eigene Position zu finden.

Alltag und Freizeit

Da die Kontaktaufnahme mit den einheimischen Studenten eher schwierig war, habe ich die meiste Zeit mit den anderen ausländischen Studenten und Residenten verbracht. Gemeinsam sind wir zur Paris Photo gefahren, haben die Gegend mit einem Mietauto erkundet und uns in unseren Projekten unterstützt. Auch im Alltag haben wir viel gemeinsam gemacht, wie zum Beispiel gemeinsame Kochabende oder ins Kino gehen. Da die Schulstruktur an der ENSP anders als an Akademien oder Hochschulen in Deutschland ist, sind wir fast jeden Tag in der Schule gewesen um Kurse zu besuchen oder in der Schule zu arbeiten. Da Arles eine kleine Stadt ist gab es wenig Freizeitangebote und man war oft bei Studenten zu Hause um zu kochen und zu trinken oder Filme zu gucken. Dank meinen zwei französischen Mitbewohner konnte ich mich relativ schnell gut ausdrücken in der fremden Sprache. Der Alltag wurde unter der Woche stark von der Schule bestimmt und alles drehte sich um diesen Ort. Am Wochenende hat die Schule zu. Samstags war traditioneller Markttag mit anschliessendem apero in der ‘Bar du Marche’. Abends gab es immer bei irgendeinem Studenten der ENSP einen ‘soiree’ und Sonntags ist man dann ans Meer oder in die Natur gefahren.

Fazit (beste und schlechteste Erfahrung)

Abschliessend und rückblickend kann ich definiv sagen, dass sich die Erfahrung mehr als gelohnt hat und ich mir auch vorstellen kann ein Praktikum oder eine Residenz in Frankreich zu machen. Meine sprachliche Kompetenz hat sich so sehr verbessert, dass ich nun ohne nachzudenken diese mir in der Schule immer schwergefallenen Sprache sprechen kann. Dies wäre in dieser Form mit noch so viel pauken von Deutschland aus nie möglich gewesen. Ausserdem habe ich neue Freunde gefunden und Menschen kennengelernt, die einen ganz anderen kulturellen Hintergrund haben und mich dadurch auch beeinflusst haben. Die beste Erfahrung war zu sehen, dass es wirklich möglich ist eine Sprache relativ fließend sprechen zu können, in einer anderen Gesellschaft zurecht zu kommen und sich dort zwar langsam aber nach einiger Zeit dann doch integrieren zu können und aufgenommen zu werden.

Abgesehen davon schätze ich sehr die Begegnung mit besonders drei der anderen Auslandsstudenten – wir haben uns gegenseitig geholfen, beeinflusst – menschlich wie auch in unserer Arbeit- und werden, denke ich auch weiterhin in Kontakt bleiben.

Die schlechteste und erschreckenste Erfahrung war wohl, dass es unter den Studenteinnen in Arles sehr verbreitet war wenig zu essen und eine offensichtliche Magersucht als „Phase“ abgetan wurde. Das stösst bei mir auf Unverständnis.

Ecole Nationale Superieure de la Photographie Arles - WS 10/11 (Foto)

Anja Plonka